TU-Leitung und Bezirk Steglitz-Zehlendorf zerstören die Stadtnatur

 

In der vergangenen Woche wurde noch kurz vor dem 1. März (ab diesem Tag dürfen keine Baumfällungen mehr erfolgen) der ökologische Versuchsgarten Kehler Weg zerstört. Eines der artenreichsten Biotope in der Stadt wurde auf diese Weise unwiederbringlich vernichtet.

Die Uni-Leitung der TU beweist auf diesem Weg ihre beispiellose Ignoranz gegenüber Fragen des Artenschutzes, stadtökologischer Forschungen und Lehre. Für die TU scheinen nur noch millionenschwere Industrie-Projekte interessant zu sein. Hochwertige und deutschlandweit einzigartige Forschung auf dem Bereich der Stadtnatur haben zwischen Siemens und EADS wohl keinen Platz mehr. Das Verhalten der Fakultät VI (Planen Bauen Umwelt), des Präsidiums der TU mit seiner Abteilung IV ist dabei auch ein Muster an Intransparenz: Bis zum heutigen Tag wurde keine Kaufsumme mitgeteilt, aus der sich erschließen ließe für welchen Spottpreis die TU das Kleinod Kehler Weg nun verhökert hat. Ebenfalls skandalös ist der Umgang mit den auf dem Gelände arbeitenden Forschern, vor allem Dr. Rebele. Während er am Wochenende noch forschte, musste er am Dienstag feststellen, wie sein Forschungsobjekt plötzlich von einer Firma zerschreddert wurde. Während sich die TU das Wort Nachhaltigkeit ins Leitbild schreibt, führt sie es durch eigenes Handeln ad absurdum! Mitarbeiter der Fakultät sind gern als Expert_innen in Fragen der Stadtökologie unterwegs. Die selben selbsternannten Expert_innen sind es dann, die ihr eigenes ein für den Artenschutz in der Stadt zentral wichtiges Grundstück zerstören.

Grenzenlose Ignoranz gegenüber stadtökologischen Belangen zeigten auch Bezirkspolitiker des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Trotz jahrelanger Bemühen weigerten sich der Bezirk, den besonderen Status des Grundstücks Kehler Weg anzuerkennen und das landeseigene Grundstück als besondere Grünfläche zu übernehmen. Stattdessen wurde permanent darauf gepocht, dass das Berliner Baurecht eine Bebauung zulässt. Baustadtrat Stäglin, nur nominell für den Naturschutz zuständig, verweigerte sich jeden konstruktiven Dialogs. Der einst „grüne Bezirk“ wird damit immer grauer. Kein Wunder also, wenn auch das unter seiner Leitung stehende Grünflächenamt auf ganzer Linie versagt. Mitarbeiter des Grünflächenamts kamen am Mittwoch um das Areal zu inspizieren und alles für rechtmäßig zu erklären. Dass unter den gefällten Bäumen auch eine ganze Reihe waren, für die es eine Fällgenehmigung hätte geben müssen, fiel den Mitarbeiter_innen des Grünflächenamtes dabei nicht auf. Damit zeigt der Bezirk nicht nur welch unqualifiziertes Personal er beschäftigt, sondern auch welche Interessen bei der Arbeit des Grünflächenamtes im Vordergrund stehen – die der Stadtnatur in keinem Fall.

Wer Einfamilienhäuser neben der lärmintensiven, weil oberirdischen U-Bahn beziehen will, bleibt das Geheimnis der Immobilienspekulanten, die diesen Anschlag auf die Stadtnatur begangen haben. Wer eine solch eminent wichtige Grünfläche für drei Einfamilienhäuser opfert, verdient einen Preis für umweltpolitische Ignoranz und Kurzsichtigkeit. Das gilt umso mehr, da in der näheren Umgebung zahlreicher Leerstand zu verzeichnen ist.

Taz-Artikel vom 24.02.2010

Weitere Informationen auf der Seite der Grünen Uni (TU)

Stellungnahme des BUND-Südwest

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