Visconti oder Scaligeri an der Freien Universität?

Die Wahl des Präsidiums an der FU hat mehr Ähnlichkeiten mit den proto-demokratischen Strukturen die in italienischen Städten der Frühen Neuzeit herrschte als mit einer demokratischen Wahl.

Vor einiger Zeit wurden viele italienische Städte von reichen und einflussreichen Familien geführt. Obwohl die demokratischen Strukturen unangetastet blieben, wurden doch immer die selben Familien gewählt. An der Freien Universität steht die demokratische Fassade noch in ähnlicher Weise wie im Renaissance-Italien. Hinter den Kulissen werden die Posten des Präsidenten und der Ersten Vizepräsidentin wie bei verschobenen Pferderennen ausgeschachert. Das ist sicher nichts Neues im Universitätsbetrieb – ekelerregend ist es trotzdem. Hier eine Dramaturgie des korrupten Wahlverfahrens.

1. Akt: Politische Flurbereinigung

Kaum wurde bekannt, das Dieter Lenzen sich für Hamburg mehr interessierte als für Berlin, da ging an der FU die Flurbereinigung los. Den Vertreter_innen der “Vereinten Mitte”, der Mehrheitsliste der Professor_innen im Akademischen Senat wurde schnell klar, dass Lenzens Liebling, Peter-André Alt der geeignetste Kandidat für ihre Interessen sei. Nur unter ihm schien ausgemacht, dass die Exzellenz-Töpfe weiter gefüllt und auch weiter genauso verteilt würden, wie bisher. Grund genug die Rottweiler aus dem Käfig zu holen um mittels übler Nachrede und stinkigen Kommentaren gegen studifreundliche Profs die unliebsame Konkurrenz zurückzubeißen. Als sich dann doch mehrere qualifizierte Bewerber_innen bewarben, musste Universitätspate Hans-Uwe Erichsen mittels Drohanrufen nachhelfen. Als Vorsitzender des Kuratoriums und der Sichtungskommission bleute er einem Bewerber am Telefon ein, dass es keine gute Idee sei sich zu bewerben, woraufhin dieser seine Kandidatur zurückzog. Politische Flurbereinigung kann nicht uneleganter sein!

2. Akt: Die korrupte Sichtungskommission

Zwar wurden kritische Fragen von Studierenden im Vornherein abgewiegelt: Die AG-Präsidiumswahl sei eine reine Sichtungskommission. Sie würde die eingehenden Bewerbungen lediglich sichten, in eine Reihenfolge bringen und auf jeden Fall nur die formell untauglichen Bewerber_innen aussortieren. Vielen Beobachter_innen schwante damals bereits, dass das nicht der wahre Zweck der Kommission sein konnte. Tatsächlich wurden in der Kommission nicht nur die formell oder “offensichtlich untauglichen” Bewerbungen ausgesiebt sondern alle außer eine. Das Kuratorium und der Akademische Senat, die beide am 10. März eine Auswahl aus dem vorsortierten Bewerber_innen-Kreis treffen sollten, sahen sich mit einer sehr geringen Auswahlmöglichkeit von einer Option konfrontiert. Sie sahen gewissermaßen “Alt” aus. Nach längeren Debatten im nichtöffentlicher Sitzung wurden der Etikette halber doch mehrere Kandidat_innen zur Vorstellung eingeladen. Im Kuratorium durfte sich neben Peter-André Alt noch die Hannoveraner Politikwissenschaftlerin Christiane Lemke vorstellen. Im Akademischen Senat reichte es zusätzlich noch für Raul Rojas aus der FU-Informatik um eine halbe Stunde reden zu dürfen.

3. Akt: Wüste Drohgebärden und Einschüchterungsversuche

Der Pate Erichsen bekam dadurch den Eindruck, dass der Ausgang der Wahl doch noch ansatzweise noch offen sein könnte. Medien wie der Tagesspiegel, der Taz oder FU-weite Blogs berichteten gar frecherweise über das abgekartete Spiel, dass da betrieben wurde. In der nun folgenden Kuratoriumssitzung sah er sich deshalb veranlasst die studentischen Vertreter sogleich des “Geheimnisverrats” zu bezichtigen und drohte mit übelsten zivilrechtlichen Konsequenzen gegen den dortigen studentischen Vertreter Stefan Hernady. Mehrere Aussagen, die in der Presse zuletzt offensichtlich korrekt wiedergegeben wurden seien nur aus dem nichtöffentlichen Teil zu erfahren gewesen. Genauer spezifizieren wollte er das nicht. Auch warum nur die studentischen Vertreter_innen dazu in Frage kämen, obwohl in den Sitzungen des Kuratoriums bis zu 15 Personen anwesend sind – darauf blieb Erichsen die Antwort schuldig.

Möglicherweise fürchtet sich der Uni-Dinosaurier auch vor den Schadensersatz-forderungen der nicht berücksichtigten Bewerber_innen. Es sollen über 10 gewesen sein, die möglicherweise ungerechtfertigt oder gar rechtlich unsauber ausgesiebt wurden. Mehr als 10 Präsident_innen-Gehälter zulasten der FU wäre ein guter Grund sauer zu sein. Allerdings sollten diejenigen, die für eine sachgemäße und faire Wahl sorgen sollen, die Schuld daran eher bei sich selbst suchen anstatt nach Sündenböcken zu fahnden und grundlos einzelne Studierende angreifen.

Wahrscheinlich sollen die Studierenden dem neuen Chef huldigen, sobald er unter dem Baldachin zu sehen ist. Vorher sollten sie sich besser nicht dafür interessieren. Gift und Dolch liegen nah bei der Hand, wenn es um die Nachfolge von Signore Lenzen geht. Die Blogschreiber_innen dieser Welt sollten sich besser in Acht nehmen und aufpassen, was sie hier und anderswo schreiben!

Es gibt keine Kommentare zu diesem Beitrag.

Kommentar hinterlassen

Impressum