Vorträge des Militärs als Ergänzung der Lehre? – Nein, danke!

Am Montag den 12.12.2011 fand um 18 Uhr ein Vortrag zum Thema »The Iraq War: Opportunities Lost, Lessons Learned and the Way Ahead« statt. Eine Kooperation des JFK-Instituts der FU mit der American Academy – »generously supported by Daimler-Fonds«.

Eingeladener Redner war »Prof. Peter R.Mansoor, PhD (The Ohio State University)«.welcher in der Ankündigung als »former Executive Officer to General Davis Petraeus« vorgestellt wird und in Armeeuniform abgebildet ist.

Ein Vortrag des Militärs also, dem die Uni eine Bühne gibt.

Obwohl die Veranstaltung erst sehr kurzfristig unter Studierenden bekannt zu sein schien, gab es gleich zu Beginn eine Protestaktion mit Transpi. Welche die Aufmerksamkeit am Beginn des Vortrages gleich auf die Kritik an der Zusammenarbeit von Uni und Militär lenkte.

Wegen Unverständnis der Leitung über die generelle Frage, ob Mansoor hier im JFK seinen Vortrag überhaupt halten sollte, verließ ein Teil des Publikums mit Unmut den Raum: »Wo anders kommen Mörder vor’s Gericht…«.
Eine Verbindung von Bildungssektor und Militär ist nichts neues und immer wieder Kritikpunkt. Schon in Schulen nimmt die Bundeswehr Einfluss mit Jugendoffizieren und dem »Politik«-Planspiel über Konfliktlösung (Klassen dürfen dabei auch in den Kasernen übernachten). Eine generelle Kritik am Militarismus findet in den Lehrplänen jedoch nur wenig Platz, vielmehr wir eine Sicht auf Krieg vermittelt, die diesen als politisches Geschehen normalisiert. Horst Köhlers Meinung über die Kriege in Nahost, dass sie wirtschaftliche Interessen vertreten (*), ist davon nicht weit weg. Dennoch werden die unterschiedlichsten Gründe als Rechtfertigung vorgeschoben, wie z.B. die Beruhigung der politischen Lage und Konfliktlösung. In diesem Falle wurde die Besatzung und Krieg gegen Zivilist_innen harmlos als »peace keeping operation« betitelt. Gegen »ethno-sectarian violence« müsste Armee präsent sein, denn »we secure the iraqi people« , ohne US wäre der Irak ein Zentrum der Gewalt und Unruhe für Nachbarländer. Der aus der Spaltung der Bevölkerung folgende »Bürgerkrieg« wird nun nachträglich auch noch als Grund für die Besatzung genannt.

Doch zurück zum Vortrag: Mansoor versteht sich als Militärhistoriker und verwies auch auf die von ihm geschriebenen Bücher. Ihm lag viel daran, sich als Akademiker zu präsentieren und die Wissenschaftlichkeit und damit seine Objektivität zum Thema Krieg herauszustellen. Er gab vor, als Zivilist hier zu sein,bedacht darauf zu betonen, dass er ja auch nicht in Uniform da ist. Auf den Präsentationsfolien war er jedoch als uniformierter Soldat abgebildet…
Der Inhalt beschränkte sich stark auf den Titel und so sollte es nicht um den Afghanistan – oder Irak-Krieg generell gehen sondern lediglich um: „Vertane Möglichkeiten“, für die US-Hegemonie und schnelle Machtsicherung, „Gelerntes“, für zukünftige Invasionen und „die Zukunft des Iraks“, bezügl. Einbettung in westl. Politik und Wirtschaft. Die Sicht des Vortrags beschränkte sich also auf Macht und nicht auf Opfer, Rechtmäßigkeit des Krieges oder ähnliches.

Der Vortragende probierte sich zwar an einer »kritischen Rückschau« dieser »peace keeping operation« und zählte die verschiedensten Versagen der Bush-Administration auf. Dazu gehörte, das Nicht-Revidieren der Umstände, es sei zum Beispiel davon ausgegangen worden, dass die Regierung nach dem Befreiungsakt schnell funktionsfähig wäre, später wurde diese Einschätzung jedoch nicht noch einmal überarbeitet.Generell seien zu frühe Entscheidungen bestehen gelassen worden. So wurden große Teile der Armee entlassen, ohne darauf zu reagieren, dass die Waffen der Soldaten größtenteils mit nach hause genommen wurden. Außerdem habe der »regime change«, also das Einsetzen einer Marionettenregierung und die Transformation zur »freien Gesellschaft« hätten nicht gut geklappt. Auch wurde erwähnt, dass zwar Geld für Schulen, Firmen und Krankenhäuser da war. Da jedoch ein Großteil an Sicherheitsfirmen und internationale Konzerne ginge, bei weitem nicht genug. Auch sei die Art der Bevölkerung wenig berücksichtigt worden, was durch die Benachteiligung von Sunniten in einem Bürgerkrieg der »tribes« geendet hätte.

Um auszuwerten, welche militärischen Operationen der „Sicherheit“ hilfreich waren, wurden Graphen gezeigt, die die Anzahl an Anschlägen, Kampfakten etc. im Verlauf abbildeten. Um den Einsatz weiter zu legitimieren wurde mit dem Satz: »killed many Iraqies, most of them militants«, versucht die hohem Opferzahlen zu relativieren. Wie viele jedoch Zivilisten waren und warum das Töten von Militanten legitim sein soll und diese nicht z.B.Gefangene wurden, erhält keine Erläuterung. Als Auflockerung gemeint war eine Folie einer T-Rex Zeichnung, wobei dieser vor seinem Kalender mit den täglichen Einträgen »kill something and eat it« steht, Untertitel war »US military view on Iraq war strategies«.

Generell wurde die internationale Kritik der Besetzung auf Organisationsfehler reduziert. Die aufgezählten »kritischen Reflektionen« suggerieren im Umkehrschluss, dass ohne diese Fehler der Krieg ja ganz gut wäre.

Insbesondere die „Lessons learned« seinen eine Auffrischung der Vietnamerfahrungen gewesen. Aber wem nützen bitte diese Lernerfahrungen? Etwa der Gesellschaft oder der Menschheit, sodass ein Platz an der Uni gerechtfertigt wäre?

Nein, sondern sie dienen nur künftigen Kriegen!

Zu seinem Auftreten als diskussionsfreudiger Akademiker gehörte zwar, dass er versuchte möglichst viele Fragen zu beantworten, generell war die Diskussion jedoch schwierig, da er Kriege als politisches Happening darstellte und die vielen vielen Toten dabei im Hintergrund ließ. Trotz seiner Versuche sich als Akademiker darzustellen – an der Uni hat ein Vortag des Militärs nichts zu suchen!

Dass durch die Militärhistorik »eine andere Sicht auf Kriege« existiere, ist jedoch nur ein billiges Argument für Militärpropaganda. Eine Sicht, die die Menschenrechte von Millionen ausblendet und ohne jegliche Empathie eine »Objektivität« schaffen möchte hat an öffentlichen Bildungseinrichtungen nichts zu suchen. Dies gilt nicht nur für Militärhistorik, sondern genauso für kooperative Forschung bzw. militärische Verwendung dieser, welche die sog. Zivilklausel verhindern könnte.

Daher fordern wir: Militär raus aus der Uni!

Vortrag_Peter_Mansoor

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